Schöler Solo
Stefan Schöler – Piano
Beim Sprechen formt ein komplexes Sprachorgan Töne, die wir zu Vokalen und Konsonanten ordnen – Bausteine, aus denen Melodie und Rhythmus entstehen. Durch feine Veränderungen in Tonhöhe und Lautstärke entstehen Phrasen, die Bedeutung und Ausdruck formen.
Bei Musikinstrumenten verschieben sich diese Gewichtungen: Die Tonerzeugung ist meist einfacher, dafür treten Tonformung, Rhythmik und Tonhöhe – je nach Instrument – stärker in den Vordergrund.
Das Klavier nimmt hier eine besondere Rolle ein. Es vereint perkussive und melodische Elemente, erlaubt Mehrstimmigkeit und deckt einen Tonumfang vom tiefen Bass bis in den höchsten Diskant ab. So lassen sich nahezu alle bekannten musikalischen Strukturen – abgesehen von der individuellen Klangfarbe – in erstaunlicher Authentizität umsetzen.
Im Solospiel fließen alles Gehörte und Erlebte ein: geliebte wie ungeliebte Klänge, persönlicher Geschmack, situative Energie und kreative Spontaneität. Deshalb unterscheidet sich der Klang jedes Pianisten oft radikal – seit über 300 Jahren, so lange es das Instrument gibt. Genau in dieser Individualität liegt der besondere Reiz des Soloklavierspiels.