Biografie

 

Wenn improvisierte Musik lyrisch klingt, dann steckt wahrscheinlich eine bestimmte Weltsicht oder ein Gottesbild dahinter. Es werden Hintergründe zu Gehör gebracht, Klänge mit denen sich jemand Stunden um Stunden zum eigenen Gefallen umgeben hat. Wenn diese dann einem Zuhörer gefallen dann meint dieser zu Recht er stünde mit dem Musiker in einer Art Seelenverwandtschaft.

 

Radiointerview mit Odilo Clausnitzer, WDR3 in 2016 aus der Reihe “Szene NRW”.

Aufgewachsen ist Schöler in Kreuztal, ländliches Nordrheinwestfalen, für sein Klavierstudium zieht er nach Arnhem (Niederlande) und nach einem einjährigen Exkurs nach Uppsala (Schweden) kehrt er zurück nach NRW, der alten Heimat, jetzt allerdings in den flachen Westen, nach Kleve, wo er seit 2007 mit seiner Familie lebt und als Kunstschaffender und Lehrer tätig ist.

Als 5jähriger wird Schöler von seinem Onkel ausgebildet für die im Siegerland typischen Flöten- und Posaunenchöre. Das Klavierspiel seiner Schwester jedoch begeistert ihn mehr als Flöte und Flügelhorn; so gestatten ihm seine Eltern als 8jährigem den Klavierunterricht zuletzt bei Sharon Anderson, einer amerikanischen Lehrerin und auch Pianistin der Philharmonie-Südwestfalen, die ihm einen breiten Horizont von Barock bis Moderne eröffnet; unterwegs entdeckt Schöler das Improvisieren, entdeckt Miles Davis und Dizzy Gillespie. Mit dem Spielen in ersten Bands entsteht für ihn der Berufswunsch Musiker. Mit dem Jazz weiterhelfen und ihn auf das Studium vorbereiten kann der Siegener Bigbandleiter Hartmut Sperl. Im Studium bekommt Schöler Klavierunterricht bei Rob van den Broeck (modern Jazz; * 1 Dezember 1940, Hilversum; † 30. April 2012 Enter, Overijssel). Dieser hat den Wert der eigenen Forschung gezeigt und wie kein anderer zum improvisatorischen Experimentieren ermutigt; gleichzeitig vor verfrühter Selbstbeurteilung und Meinung geschützt. Geprägt wurde Schöler auch von Rob van Kreeveld (BeBop; * 15 Juni 1941, Den Haag). Er hat dazu angeregt neben allem künstlerischen Streben nach Individualismus und kreativem Fluss sich gleichfalls improvisatorisches Standard-Handwerk als notwendiges Grundvokabular anzueignen; ein Aufzeigen der Grenzen des allgemeinen Jazzverständnisses und Hörerkompatibilität. Daneben hat Schöler studiert bei John Taylor, Carla Bley, Steve Swallow und Peggy Larson. Hörerisch ist er beeinflusst durch Herbie Hancock und das Frühwerk von Keith Jarrett.

Seit seinem Studium spielt Schöler im Trioverband, im Duo (mit Irene Schöler, voc.) und auch als Solist. Das Trio, zunächst in der Besetzung mit Joop van Erven und Jan Flubacher nimmt in 2006 Schölers erste Platte auf mit dem Titel “Introducing Stefan Schöler”, die für eine Eigenproduktion überraschend viel Resonanz findet in Fachmagazinen und Radio und schließlich von Disk Union Co., Ltd. in Japan vertrieben wird. Über Umbesetzung über Imre Kruis und Laurens Knoop ist das Trio seit 2014 besetzt mit Rico de Jeer und Thijs Bastiaans. Es kommt zu Auftritten in renommierten Jazzclubs und Festivals in Deutschland und den Niederlanden, sporadischen Ausweitungen zu Quartett- und Quintettformationen, Fernsehauftritten, Radiointerview und kürzlich die Zusage von Harald Härter, Leiter des Schweizer Plattenlabels UnitRecords für die nächste Plattenproduktion.